Foto von Anthony Intraversato auf Unsplash

 

Da gibt es einen Text, der mir weiterhin im Kopf rumspukt.

Er handelt von einem Mädchen, einer erfolgreichen Frau und ein bisschen auch von Musik — ich mein’… er handelt von ganz viel Potenzial, von missverständlichen Zielsetzungen und ein bisschen auch von Fragen — ach, was red ich da… er handelt von mir, nur von mir, von meinen Zielen und ein bisschen auch davon, wie ich allem meinen persönlichen Sinn aufdrücke, wie ich unterstelle, obwohl ich doch keine Ahnung habe… er handelt von — ach… lassen wir das.


Und, obwohl ich keine Ahnung habe, bleibt das Gefühl, weil… auch wenn niemand mehr malen will: der Rahmen hängt perfekt; weil… auch wenn das Schiff sinkt: die Stühle stehen eins a; weil… auch wenn du das Thema leider nicht verstanden hast: die Folien… die Folien sind top! Da kann man nicht meckern: 1,0.

Und der Rahmen… der Rahmen bleibt hängen; hängt weiter… Siehst du nicht, wie perfekt er da hängt?

Ja… doch… hängt schon… perfekt.


Jetzt geht es aber wirklich los. Es ist nichts geschehen. Ich bin nicht vor meine Haustür gegangen. Getroffen habe ich mich.

Beziehungsweise… eine jüngere Version von mir: weiblich, schöner — mit braunen Augen, die mag ich ja so gern… endlich mal etwas, das es oft gibt und ich mag. Außerdem: ehrgeiziger, mit klareren Prioritäten, einem längeren, zurückgelegten Weg und gleichzeitig einer schwierigeren und trotzdem auch schönen Kindheit.

Und wir haben geredet und geredet und geredet. Was war es schön. Und wir haben nicht nur geredet. Was war es schön.

Aber… was wäre, wenn ich sie zuvor schon einmal getroffen hätte? Nur einige Monate vorher — gemeinsam unterwegs auf einer kleinen Reise. Halbwegs spontan, halbwegs… ja romantisch…

Damals wäre sie älter gewesen… mehr als zehn Jahre älter, als sie heute ist und ich heute bin. Mit wem wäre ich da auf einer kleinen Reise gewesen? Mit dem älteren Ich, eines Mädchens, das ich bald treffen würde? Nein, natürlich nicht. Aber — wenn ich so darüber nachdenke — möglich ist es schon.

Für jeden anderen, wäre ich mit einer gutaussehenden, selbstbewussten und erfolgreichen Frau unterwegs gewesen. In der richtigen — ja: meiner Gesellschaft wäre sie den Menschen sogar sympathisch. Aber egal, ob sympathisch oder nicht: Sie hätte einen Weg gefunden gehabt und wäre ihn gegangen gewesen.

Aber auf unserer kleinen Reise hätten wir auch geredet und ich hätte einen Eindruck bekommen; wir hätten geredet und ich hätte einen Eindruck bekommen, der mich noch lange beschäftigen würde.

Und was wäre wenn… wenn ich da auf jemanden getroffen wäre, der mit den gleichen Annahmen, wie das Mädchen mit den braunen Augen, gestartet wäre; sich mit ihnen auf den Weg begeben hätte.

Was wäre, wenn… wenn ich dann — bei unserer kleinen Reise — gesehen hätte, wohin das führt? Was wäre, wenn ich dich, junges Mädchen, von diesem Weg reden hörte und von dem Ziel, das er beinhaltet, aber glaube, dass du so nicht einmal nicht zu dem Ziel kommen wirst — doch, doch das wirst du — , aber, dort angekommen, wird sich das Ziel dann nicht nur, wie es immer ist, anders anfühlen, sondern substantiell anders anfühlen. Ja… gerade substantiell, hauptsächlich substantiell… vielleicht sogar nur substantiell, aber substantiell anders anfühlen. Aber genau da, da wird es sich anders anfühlen. Glaube ich.

Glaube ich natürlich nur… weil ich ja keine Ahnung habe. Vielleicht mache ich es dir — und allen — damit nur kaputt… vielleicht habe ich wirklich nur noch weniger Ahnung als alle anderen und du wirst nicht substantiell etwas vermissen… vielleicht… das wäre schön.

Aber… ich glaube eben nicht, dass es dich glücklich machen wird… auch wenn es dir doch erstrebenswert scheint. Und wenn du mich fragst: Was stattdessen? Dann… habe ich doch auch keine Ahnung… aber das, was du dabei aufgibst… auch, weil du dich bewusst dafür entschieden hast… das könnte dich später wieder einholen; zu dem Zeitpunkt wäre es dann nämlich nicht mehr das, als das es heute scheint, sondern das, was ein wenig von dem substantiellen Vermissen nehmen würden. Zumindest… falls mein Gefühl da richtig liegt.

Weil… das, was jetzt dein Weg sein könnte. … Ich glaube eben nicht, dass es dich am Ende so fühlen machen wird, wie du das glaubst — so hatte es bei ihr, deinem älteren Ich, nicht gewirkt; nein, nicht einmal im Ansatz so, sondern… es hatte eher so gewirkt als wäre da jemand gerade auf dem Weg in eine mal leisere, mal lautere Verzweiflung gewesen, obwohl doch alles im Lot war. Ein leiser Hilferuf in jedem Satz — ganz leise — , lässt sie ihn wieder einmal zu… sonst wird er überdeckt und weiter überdeckt, ein Leben lang, bis es zu spät ist. Vielleicht aber ja auch… bis er erfolgreich überdeckt ist und man an das, was darüber liegt, glaubt… dann hat man ja auch etwas, oder?

Und es ist ja bei so vielen so… vielleicht glauben sie es ja dann wirklich. Und… wahrscheinlich sollte ich es ihnen einfach nicht kaputt machen — vielleicht bilde ich mir das alles nur ein; bilde mir nur ein, wohin das dann führen wird. Und… wenn es dann auch dir und mir passiert ist, dann sind wir zumindest nicht allein… und wir wären… ja in guter Gesellschaft… aber… nun… wenn ich es mir nicht nur einbilde dann… nun… wären wir in Gesellschaft…

Aber mutig… zumindest mutig, wären wir nicht gewesen… also das… nein das… das könnten wir nicht von uns sagen, obwohl sie das wahrscheinlich auch noch von sich sagen wollen würden.


Es ist nichts geschehen. Ich bin nicht vor meine Haustür gegangen. Getroffen habe ich mich. Und… ich… ich will jetzt noch irgendetwas über Rahmen sagen. Über Bilderrahmen, Pinsel und Maler… So in der Art:

“Jemand wurde ein talentierter, nachdenklicher Junge. Er betrachtete einen Rahmen, einen Pinsel und sein schönstes Werk; dachte sich: ‘So ist das also. Das wart ihr also und ich habe immer gedacht- … .’”

Aber das legt mir den Fokus nicht genug auf… Rahmen. Wahrscheinlich ist es einfach das falsche Bild. Aber zumindest ist es wieder ein Anfang.


Und die Mutter und das Mädchen unterhalten sich. Sie sagt etwas und will ihr damit etwas sagen, das sie nicht sagt, weil sie es nicht ausdrücken kann, weil sie doch so stolz auf sie ist und ein bisschen auch, weil sie berechtigterweise Angst davor hat. Versucht es in ihre Stimme, ihren Blick und in ihr An-sie-Denken zu legen.

Wer etwas sagt? Beide. Beide mit ein bisschen von Allem. Das Mädchen mit mehr berechtigter Angst, die Mutter mit mehr versuchtem An-sie-Denken.