Egal, ob es die universitären oder schulischen Leistungen, der Businessplan oder aber der Musikgeschmack ist, oft hängt ein großer Teil unseres Selbstbildes an unseren Leidenschaften und Leistungen. Wenn du dann dazu Feedback bekommst, kennst du das vielleicht selbst: Du spürst:

Obwohl jemand mir gerade nur seine Auffassung gespiegelt hat, fühle ich mich, als würde ich mich verteidigen müssen. Mein Stimmrhythmus wird schneller, die Stimmlage minimal höher und ich spreche ein bisschen lauter. Mein Puls erhöht sich. Ich fühle mich angegriffen.

Um solche Situationen zu vermeiden, ziehen viele Menschen es vor weder Feedback zu erhalten, noch dieses zu geben, aber genau diese Kritiken sind die besten Möglichkeiten, dich weiterzuentwickeln und etwas Neues zu lernen. Es gibt nichts zu verlieren, aber umso mehr zu gewinnen.

Aber: So wie du, haben auch andere ihre Egos immer mit im Gepäck. Deswegen gilt es diese Egos im Hinterkopf zu haben, wenn du Feedback gibst. Diese vier Fragestellungen vor dem Feedbackgeben zu beantworten, werden dir dabei helfen, besser Feedback zu geben:

Fragen für #NextLevelFeedback

  1. Wie bin ich zu dieser Meinung über das Verhalten der anderen Person gekommen? Welche Schritte haben mich dazu gebracht? Was ist für dich die konkrete nicht-wünschenswerte Konsequenz des Verhaltens?

Mach dem Empfänger, deinen Gedankengang nachvollziehbar. Was war die Story, die du dir erzählt hast, welche Annahmen hast du dabei gemacht und warum? Ein Schema, das mir dabei hilfreich ist, ist:

  • Mir ist aufgefallen, dass X
  • Deswegen erzähle ich mir selbst die Geschichte, dass Y
  • Das hat zur Folge, dass ich f(X,Y) fühle.

Beispiel

Mir ist aufgefallen, dass du einige Rechtschreibfehler in deinem letzten Artikel hattest, die man meiner Meinung nach durch ein drittes Mal sorgfältiges Lesen, hätte vermeiden können.

Deswegen erzähle ich mir selbst die Geschichte, dass dir deine Leser die Zeit nicht wert sind, den Artikel noch einmal zu lesen. Das ist vermutlich falsch und gar nicht deine Intention, aber ich hab gemerkt, dass ich das erstmal gedacht habe.

Das hat zur Folge, dass ich schon unter Vorbehalt und skeptisch weiterlese und so den wertvollen Inhalt weniger wertschätze. Glaubst du, es geht anderen auch so und deine Artikel würden noch besser aufgenommen werden, wenn du noch einmal korrekturliest?

Habe ich da etwas falsch verstanden, was auch andere Menschen missinterpretieren könnten? Wie könnten wir das ändern?


2. Ist das der sinnvollste Weg, um es dieser Person mitzuteilen? Könnte ich es vielleicht anders sagen und so für beide ein besseres Ergebnis erreichen?


3. Welche Metaphern und Erzählungen könnten dir dabei helfen, dein Feedback verständlicher zu machen, ohne die andere Person zu verletzen?

Insbesondere, wenn es schwer fällt über ein bestimmtes Thema zu sprechen, kann es sowohl für Feedbackgeber als auch für den Feedbackerhaltenden gut sein, eine vermittelnde Metapher zu finden, die das empfindliche Ego schützt.

Erfinde beispielsweise eine Fabel, in der zwei Ameisen in eurer Situation sind und die eine Ameise erzählt, was die andere Ameise macht und wie es ihr damit geht.

Wahlweise können auch Adler, Amseln oder Antilopen eure handelnden Charaktere sein. — Wichtig ist nur, dass der Name mit einem A beginnt.*


4. Wie beeinflussen mich meine Emotionen in diesem Fall? Was sollte ich bei diesem emotionalen Zustand bedenken und wie beeinflusst er vermutlich meine Handlungen?


Welches Feedback hast du bisher aufgeschoben, obwohl es dir wichtig ist? Beantworte dir jetzt zu diesem konkreten Fall jeweils die vier Fragestellungen und dann probier es aus!

Dann schreib als Kommentar oder persönlich, wie dein Versuch lief.

THE END

*Eigentlich ist es natürlich vollkommen schnurz, ob der Name mit A beginnt oder, ob ihr lieber zwei Goldfische oder Cellos miteinander reden lassen wollt.

Die vier Fragestellungen basieren auf einer Folie der Vorlesung “Managing Performance: Goal Setting, Feedback, and Rewards” der Vorlesungsreihe “People and Organizations” der LMU München