Vorwort

In Internetrecherchen ist es einfacher die “Why you should start your Freelancing-Career today” oder “The bullet-proven path to your *fill in some fancy industry*-empire”-Gründe Pro-Unternehmertum zu finden als die Kontra-Artikel. Autoren weichen von der Grundgesamtheit der westlichen Bevölkerung hinsichtlich ihrer Freelancing-Affinität ab. Daraus folgt ein Bias. Ein Bias zwischen der Anzahl der Artikel, die dir zu einer Freelancing- oder Unternehmer-Karriere raten gegenüber der Wahrscheinlichkeit, dass diese “Selbstständigkeit” was für dich ist.

Deswegen stell dir vorab diese drei Fragen:

  1. Hast du ein soziales Netzwerk (Freunde, Partner/in, Familie), das auch während des (un)vorhersehbaren Chaos hinter dir und deiner Entscheidung, selbstständig zu sein, steht?
  2. Bist du einerseits in der Lage und andererseits bereit dazu, über längere Perioden auf monetäre Kompensation zu verzichten und trotzdem weiterzumachen? Kommst du damit klar, viele Monate/ Jahre weniger zu verdienen als Maximlian, Philipp, Janina oder Bella? Vielleicht sogar nie so viel zu verdienen?
  3. Kommst du als Person mit Risiken und chaotischen Situationen zurecht?

Wenn du all diese drei Fragen mit “Ja” beantworten kannst, bedeutet das noch gar nichts, aber es könnte dich für ein paar Kriterien sensibilisiert haben.

Denn auch wenn viele Leute reden — das war schon immer so, heute ist das “Spreaden” nur noch einfacher — , ist die Ausführung und das am Ball bleiben, dann noch einmal etwas ganz anderes. Daher brauchst du dir auch keine Sorgen machen, dass in zehn Jahren alle mit ihrem Multi-Millionen-Dollar (natürlich nicht Euro)-Business dastehen und nur du in einem Angestelltenverhältnis beschäftigt bist.

Das führt uns auch direkt zum nächsten Punkt:

Es gibt mehrere richtige Wege.

Es gibt nicht nur eine Art und Weise, auf die du zufrieden mit dir selbst sein kannst. Nicht nur eine Art und Weise, bei der du als 100-Jähriger auf dein Leben zurückblicken kannst und dir denkst: “Gut gemacht, du alter Sack!

Akzeptiere, dass es mehrere richtige Wege gibt. 
Du kannst ein todesunglücklicher Selbstständiger oder ein verzweifelter Angestellter werden. Du kannst aber auch ein nachahmenswerter Selbständiger oder ein zufriedener Angestellter werden. Das liegt bei dir.

Dazu ist aber wichtig, dass du dir selbst erlaubst kein Unternehmer zu sein. Gerade DU, der du diesen Artikel liest.

#Zeitgeist #Business #Skalieren

Es ist gut, wenn du dich ambitioniert für etwas einsetzt oder dich für etwas begeistern kannst. Aber: Nur weil es eine Geschäftsidee gibt, die man womöglich umsetzen könnte, heißt das nicht, dass diese auch unbedingt umgesetzt werden muss und schon gleich gar nicht, dass DU das jetzt machen musst.

Es gibt eine denkbare Geschäftsidee ≠ DU musst diese Geschäftsidee umsetzen.

Die Gründung eines Unternehmens sollte ein Mittel zum Zweck sein. Der Zweck ist deine Dienstleistung oder dein Produkt an den Mann zu bringen. Das Unternehmen ist nicht der Zweck.

Wenn es bereits ein Produkt oder eine Dienstleistung gibt, die deine Freunde und möglichst noch deren Freunde und Freundes-Freunde nachfragen, dann könnte das etwas sein, das auch ein breiteres Publikum interessiert. Wenn du dir vorstellen könntest, das auch für Geld zu machen, dann könntest du dich einmal rantasten, was passiert, wenn du dafür Geld verlangst und aus dieser Notwendigkeit heraus ein Unternehmen aufbauen.

Gleichzeitig entstehen mit Plattformen und immer neuen Algorithmen überall neue Geschäftsmodelle, aber der Markt für “Serial Entrepreneurs, die um die Welt jetten und am Strand mit Laptop immer neue Unternehmen gründen” ist vermutlich schon recht gesättigt. Darauf würde ich persönlich nicht all meine Karten setzen.

Im Endeffekt liegt es dann aber doch mal wieder bei dir, was du daraus — deinem Leben und so — jetzt machst.