Über die Jagd und die Akzeptanz von Liebesbekundungen

 
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Naunspitze, Petersköpfl, dann Pyramidenspitze: Eine fiese Bergtour und laufenderweise geht es runter: Wer bremst, verliert! Sam fällt ein wenig zurück und muss durch “Komm schon, Großer!”-Rufe motiviert werden, den Berglauf mitzumachen. Mit heraushängender Zunge gibt er ein erbarmungswürdiges Bild ab. Es geht zwischen Latschenkiefern hindurch, in Serpentinen den Berg runter. Kurve um Kurve.

Zur Verbildlichung: Latschenkiefern, Geröllfeld, Serpentinen 

Aufpassen! Kein falscher Tritt, die nächste Biegung und: ungefähr 50 Meter entfernt stehen einige Gämse. … Noch wenige Sekunden zuvor rufen die braunen Hundeaugen einem zu: “Geh allein weiter, lass mich zurück. Was zählt, ist die Mission!”. … aber jetzt — *Zuff* weg ist er: im Vollsprint unterwegs auf dem Geröllfeld. …

Ein Jäger denkt nicht nach, ob er Kraft hat zu jagen: Er jagt.

Die Kraft rührt nicht vom täglichen Hungerleiden. Das war einmal. Heute rührt die Kraft von der Liebe zur Jagd. Egal, ob Eichhörnchen, Ente, Maus, Reh, Gams, Fisch oder Katze: Es wird gejagt. Aber noch immer hängt Sam beim Laufen oder am Berg von Zeit zu Zeit hinterher, sobald sich jedoch etwas Jagbares zeigt, ist er auf 180 — Siehe GIF

~zehn Meter vor Sam läuft eine Gams über den Weg.

Dann heißt es: Ich will los! Lass mich J-A-G-E-N.

Davon kann man sich eine Scheibe abschneiden: Es gilt, das Jagen lieben zu lernen, nicht nur das Festmahl. Den Prozess zu schätzen, nicht nur das Ergebnis. Wenn du ein Rascheln im Gebüsch hörst, dich eine Ahnung beschleicht, was auf deinem Weg auf dich warten könnte, dann los.

Wenn du merkst, dass es da etwas gibt, für das es sich zu jagen lohnt: Dann lauf und gib alles! Dann kannst du in deinen Rausch verfallen und dich selbst vergessen. Alle Grenzen hinter dir lassen. Dann hörst du gefälligst auf zu fragen, ob dafür jetzt noch Zeit und Energie ist. Dann denkst du nicht darüber nach, was schief gehen könnte. Du jagst!

Bis du nicht mehr nur jagst, sondern mit jeder Faser deines Körpers Jäger bist. Immer auf der Lauer! Aufmerksam — die nächste Möglichkeit erwartend — bist du im Begriff, die richtige Einstellung zu entwickeln, um groß Beute zu machen.


Jetzt aber drastischer Stimmungswechsel, denn unser Jäger hat auch seine liebevollen Seiten und lehrt:

  • Lass Liebesbekundungen, aber auch ihr Ende, zu.

Kennst du das? Einfach nur umarmen zu wollen, Zuneigung zeigen zu wollen, aber irgendwo lauert ein Vorbehalt. Was, wenn die überschwellenden Empfindungen abflachen? Diese doch lieber schon im Keim ersticken? Oder zulassen? Lohnt es sich das Risiko einzugehen, sich verletzlich zu machen? Wenn man dem Gefühl nachgibt, sind das oft die Momente, bei denen man aufpassen muss, nicht zu viel Kraft in Liebesbekundungen zu legen. Sonst könnte man in solch verletzlichen Momenten noch ungewollt verletzen, weil die emotionale Intensität danach drängt, in die physische Welt gesetzt zu werden.

Manchmal braucht man auch nur die gedankenverlorene Berührung. Die Begleitung beim Allein-Sein. Will nur eine Präsenz spüren.

In beiden Fällen brauchst du jemanden, der es zulässt geliebt zu werden.

Zulässt geliebt zu werden, ohne Angst vor einem möglichen Ende zu haben. So den Vorbehalten des Liebenwollenden den Wind aus den Segeln nimmt. Dieses Zulassen, geliebt zu werden, ist Ausdruck einer alle Ängste überragenden Akzeptanz. Die Akzeptanz der unausweichlichen Endlichkeit des Moments.

Diese Akzeptanz ist es, was Hundebesitzer oft zu den Worten verleitet: “Mein Hund versteht mich besser als jeder Mensch.” Ob das immer so ist, wage ich zu bezweifeln. Ist auch egal.

Denn: Um jemanden das Gefühl zu geben, verstanden zu werden, reicht es oft schon, ihn zu akzeptieren.

Wirklich und aufrichtig — fast demütig — akzeptieren. Akzeptieren, dass jemand da gerade etwas fühlt. Akzeptieren, dass ich gerade als Geliebtwerder gebraucht werde. Als Geliebtwerder, der nicht hinterfragt: Warum? Warum jetzt? Habe ich das überhaupt verdient? Warum nicht jemand anders? Wie lange?

Das beinhaltet auch die Akzeptanz des Endes der Liebesbekundung. Höchstens den Moment nachklingen zu lassen. Nachspüren, aber nicht zu fragen: Warum ist es jetzt vorbei? Warum nicht ein wenig länger? Was bedeutet das? Was war das? Auch Endlichkeiten nicht-wertend zu akzeptieren.

Du merkst: Es geht um die Akzeptanz. Einer Akzeptanz, mit der du extrem viel schenken kannst:

Einem Menschen, der lieben will, die Möglichkeit zu lieben;
einem Menschen, der verstanden werden will, das Gefühl verstanden zu werden;
dir die Möglichkeit, dich einmal zurückzunehmen und nur zu geben.

So kannst du Sehnsüchte erfüllen und eroberst Herzen.
— Ohne Pick-Up Seminar —