Thanks to: Kristina Alexanderson

Das Streben nach Macht kommt im Verhältnis zum Gemeinschaftsgefühl als Richtlinie des menschlichen Handelns bei Alfred Adler weniger gut weg. A² bringt viele Beispiele für Auswüchse dieses Strebens nach Macht. Ein solches ist die Eitelkeit. Insbesondere die Motivationslosigkeit vieler Menschen aufgrund verletzter Eitelkeit. Und darum geht’s in diesem Artikel.

Ein Beispiel:
Wenn sich ein wirklich ehrgeizige junge Frau hohe Ziele setzt und hart daran arbeitet, sich alle Mühe gibt, diese Ziele zu erreichen und immer besser zu werden, bis sie eines Tages dann in eine Prüfungssituation gerät. In dieser wird sie sich ihrer (menschlichen) Mangelhaftigkeit bewusst. Das Erkennen eigener Mangelhaftigkeit ist ohnehin schwer. Hinzu kommt, dass sie zuvor ein überhöhtes Selbstbild gezeichnet hatte. So trifft sie noch härter auf dem Boden der Tatsachen auf. Wenn sie sich besonders in ihr Ziel hineingesteigert hat, dann macht sie gerne ihr ganzes Lebensglück von dem Erreichen des Ziels abhängig. Überschätzt die Wichtigkeit der Prüfung und weil es beim ersten Mal nicht geklappt hat, wirft sie die Flinte ins Korn. Aus einem eigenen Heldenbild heraus, sagt sie sich:

“Da ich dieses Heldendasein nicht weiterführen kann, da mir andere überlegen sind, ziehe ich mich zurück und werde mir das Leben verbittern.”

Ein ähnlicher, jedoch weniger radikaler Copingmechanismus, um das Ego vor Verletzungen zu schützen, ist, sich — noch bevor die Prüfungssituation eintritt — eine Ausrede für mögliches Scheitern zu kreieren.

Das kann eine Form von Self-Handicapping sein — à la die Nacht vor der Prüfungssituation noch feiern gehen, um so nicht in der Lage zu sein, sein volles Leistungsvermögen abzurufen — oder grundsätzlich nicht 100% zu geben, um sagen zu können: “Hätte ich mich wirklich angestrengt, dann hätte ich es geschafft.” So muss man nicht am eigenen Ego kratzen, sollte man es trotz 100% nicht geschafft haben.

Und das geht raus an alle Ehrgeizigen*: Egal wie krass du bist, wenn du 90% gibst — gibst du 100%, bist du krasser.

Man kann derlei Ausreden leicht erkennen: Menschen, die sich selbst aufgegeben haben, und so nicht mehr ihren Teil zur Gemeinschaft beitragen, stellen unerfüllbare Forderungen für eine aktive Mitarbeit.

Egal, ob unerfüllbare Forderungen an die Zeit:

“[W]enn sie früher einmal etwas getan, gelernt oder gewußt hätten, [wenn ich nur andere Eltern gehabt hätte, in einer anderen Stadt aufgewachsen wäre,] oder wenn andere was getan oder nicht getan hätten und dgl.”

oder Bedingungen, die sich aus feststehenden Glaubenssätzen zusammensetzen:

[W]enn die Männer oder Frauen nicht so wären[…][, wenn man selbst nur nicht so faul wäre, wenn die Welt nur nicht so ungerecht wäre.]”

Immer gilt eines:

“Es sind lauter Forderungen, die mit bestem Willen nicht erfüllt werden können, so daß man daraus erkennen muß, daß es sich hier nur um faule Ausreden handelt, gut genug dazu, daß sich einer einmal einen Schlaftrunk daraus macht, um nicht daran denken zu müssen, was er versäumt hat.”

Daher eine letzte Frage: Woran erkennen wir nun den Unterschied zwischen ungesunder Eitelkeit und noch gesundem Leistungsstreben?

Ein Indiz für die Eitelkeit ist, “das Schlechte nur zu kennen und zu verurteilen. Man muß sich jedoch auch immer fragen, was man selbst dazu getan hat, um die Verhältnisse zu bessern? Der eitlen Natur genügt es allerdings, sich mit einem Schwung über den andern hinwegzuheben und ihn mit der scharfen Lauge der Kritik zu verätzen.”

Ergo: Welt verbessern.

Jetzt viel Spaß beim

  • Erkennen eines “Hätte ich mich wirklich angestrengt, hätte ich es geschafft”-Gedanken
  • Auffinden “unerfüllbarer Forderungen” deiner Selbst an die Welt
  • Welt verbessern

*Eine nette Anekdote für uns ehrgeizige Menschen:

“Manchmal helfen sich die Menschen damit, daß sie für das Wort Eitelkeit […] das schöner klingende Wort Ehrgeiz gebrauchen, und es gibt eine Menge Menschen, die mit Stolz von sich aussagen, wie ehrgeizig sie seien. […] Soweit sich diese nun für eine Sache als nützlich erweist, die der Allgemeinheit dient, kann man sie hinnehmen. In der Regel aber decken diese Ausdrücke nur eine außerordentliche Eitelkeit.”