Notizen, Notizen, Notizen

Billigkeit scheint in den letzten Jahren — und in Verbindung mit der Digitalisierung — ein wenig unterzugehen, sodass ich in der Nikomachischen Ethik zunächst über den Begriff gestolpert bin:

Ich: “Ähm…Marco… Was ist eigentlich noch einmal Billigkeit?… -.- … Und ich mein jetzt nicht Lidl, Aldi und Co.”

Marco: “… definieren könnt ich das jetzt nicht…und was der Typ da so schreibt, scheint uns zu fehlen.”

Ich: “Lass mal auschecken.

Marco: “Wie an Flughäfen?”

Ich: “Oder auf Partys. Genau.”


Im Folgenden geht es somit weniger um den Rechtsbegriff der Billigkeit als viel mehr um die aristotelische Tugend der Billigkeit (griechisch: Epikie (noch so ein neues Wort)).


Weil der Begriff so eng mit dem Recht und bei Aristoteles auch der Gerechtigkeit verbunden ist, wird er heute hauptsächlich im juristischen Sprachjargon verwendet. Wo liegt der Unterschied zwischen gerechtem (und nach Aristoteles damit schon mehr als nur “dem Recht genügend”) und billigem Verhalten?

Während sich das Recht oder die Gerechtigkeit um allgemeine Verhaltensweisen kümmert, geht die Billigkeit auf konkrete Fälle ein. Das Billige ist somit rechtens, jedoch spezifischer. Ergo: Für den Einzelfall besser geeignet.

Schöner ausgedrückt:

“Und das ist die Natur des Billigen: es ist eine Korrektur des Gesetzes, da wo dasselbe wegen seiner allgemeinen Fassung mangelhaft bleibt.”

Diese Unterschiede zwischen rechtem und billigem Verhalten sind nach Aristoteles “die Ursache davon, dass nicht alles gesetzlich geregelt ist”.

An Aktualität gewinnt die Billigkeit, wenn man sich folgende Fragen stellt:

Muss das Recht durch die zunehmende Globalisierung und Vernetzung immer allgemeiner werden und verliert dadurch das Billige aus den Augen?

Spinnen wir uns auf Kosten der Billigkeit ein Netz aus Gesetzen, weil dieses für immer mehr Menschen Gültigkeit besitzen muss?

Sollten wir daher heute mehr denn je darauf achten, in unserem Handeln nicht nur dem Recht zu genügen? Vielmehr bewusst Billigkeit zu kultivieren?


In jedem Fall ist Billigkeit erstrebenswert. Viele Handlungen sind zwar rechtens, aber nicht billig. Der tugendhafte Mensch — als Idealbild, nach dem wir gemäß Aristoteles streben sollten — begnügt sich nicht damit nur rechtens zu handeln.

Daher entlasse ich dich mit diesen Fragen:

Was unterscheidet die Billigkeit von der Gerechtigkeit?

Wo handelst du zwar rechtens, weißt aber, dass es angemessen wäre, anders zu handeln?

Wo sind deine Handlung gerecht? … Aber eben auch nicht mehr.

Hier geht es weiter zu Part III.