“In den Erörterungen, die das Handeln betreffen, sind die allgemeinen Sätze am leersten, während die partikulären einen größeren Inhalt an Wahrheit haben.” — Aristoteles

In diesem Sinne kann ich wieder einmal nur von mir berichten und mich freuen, wenn andere so Rückschlüsse auf sich selbst ziehen:

Es wurden einmal Entschlüsse gefasst: Marco steht immer um 5 Uhr auf. Marco trinkt nicht. Marco plant jeden Tag im Voraus. Marco perfektioniert seine Routinen. Marco pausiert genau so viel, um langfristig maximalen Output garantieren zu können. Kurz: Marco macht alles “ziel-orientiert”.

“Immer”, “nichts”, “jeden Tag”, … klingt schon wenig maßvoll. Klappt dafür aber gut als klare Grenze, um die jeweiligen Gewohnheiten zu implementieren. Dann kommt man aber irgendwann zu dem Punkt, an dem das ziel-orientierte Verhalten normal geworden ist, behält die klare Grenze jedoch bei. Weiterhin kein Abweichen.

Langsam beginnt man sich so seinen zuvor notwendigen, jetzt übertriebenen Fanatismus schönzureden, die Wichtigkeit des Einzelfalles zu überschätzen und identifiziert sich mit der Gewohnheit und der klaren Grenze.

Ausgehend vom Gedanken, bestimmte Ziele erreichen zu wollen, konnte ich langsam

  • nur noch früh aufstehen,
  • war ich nicht mehr in der Lage einmal Essen zu gehen, ohne von vornherein geklärt zu haben, dass es meinen Ansprüchen genügendes Food gab,
  • verfiel ich in panikartige Zustände, wenn es möglich werden könnte, dass ganzheitliche sportliche Aktivität nicht mit Sicherheit gewährleistet waren.

Langsam wurden meine Mittel so zu Zwecken.

Das frühe Aufstehen sollte Produktivität “sicherstellen” — wurde aber zu einem Hemmschuh. Abends konnte ich nichts mehr machen, weil ich den wichtigen Schlaf nicht zu kurz kommen lassen wollte.

Das gesunde Essen sollte mir Energie liefern, vernachlässigte aber, dass ein womöglich weniger “cleanes” (jedoch mit sozialen Nährstoffen angereichert) andere Energiespeicher auffüllt, die auch wichtige Kraft spenden.

Fitnessstudiobesuche sollten Kraft und gutes Aussehen liefern, darüber vergaß ich aber bald, dass Kraft und gutes Aussehen nur Teilbereiche der übergeordneten Idee “Sportlichkeit und Leistungsfähigkeit” waren.

Fazit: Ich konnte keine Ausnahmen mehr, weil ich mir Ausnahmen als Schwächen auslegte.


Meine Pilgerreise half mir hier dabei die eigene Mickrigkeit zu begreifen. In sein Universum eingepasst, kam Marco sich immer sehr wichtig vor. Schrieb Marco einen Artikel, gab es schon bald einige Reads, bei einem Instagram-Post strömten einem die Herzchen zu und 1.222 Facebook-Freunde waren an marco’ischen Neuigkeiten interessiert.

Teils alleine irgendwo im Nirgendwo, teils unter Menschen, die deine Sprache nicht sprechen, merkst du dann doch, dass du nur irgendeine Wurst im Universum bist, die sich selbst weitaus wichtiger nimmt als etwa sieben Milliarden andere Menschen. Wenn diese Wurst einmal eine Ausnahme macht, dann geht die Welt nicht unter. Wie wichtig sie sich selbst auch nimmt, wenn sie gar einen Monat ausschläft , mehrmals Pizza isst  und die Brustmuskulatur eine Weile nur marginal oder sogar gar nicht trainiert : die Welt — ob es ihr gefällt oder nicht — wird sich weiterdrehen und sie merkt, dass ihr auch diese Ausnahmen einmal gut tun. Ich deswegen immer noch ich bin. Lässt einen besser verstehen, was man will und was nicht.