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Gaspedal immer auf Anschlag. Wer bremst verliert. Die Kurve grade noch bekommen. Schlussfolgerung: Das geht noch schneller! Wenn einen nicht gerade eine Vorstellung verführt, hört man den Schweinehund nur noch kurz quieken und von hinten tritt ein Typ an dich heran. Mit dem Messer in der Hand, von dem noch schweinehundisches Blut tropft, fragt er, was du die letzten Jahre so getrieben hast. Der Herzschlag erhöht sich wieder und schreit: “Ich war auf der Jagd nach dem Hak!” Du läufst weiter.

Wenn er dann abgehängt ist und man kurz zur Ruhe kommt, blitzt eine Frage auf: Wie lange soll man das Tempo noch durchhalten? Für immer? Das ist irgendwie verdammt lang. Besser etappenweise vorgehen: Zunächst das 28. Lebensjahr erreichen.

Warum?

Erstens: Ein absehbarer Zeitraum und man ist noch immer halbwegs jung und eher in der Lage noch einmal schwerwiegende Veränderungen vorzunehmen. Mit 30 ist eine mentale Grenze überschritten und man würde man sich vielleicht nicht mehr trauen und 29 ist zu nah an der dreißig.

Zweitens: Klub 27. Eine Reihe von Musikern, die noch vor dem 28. Lebensjahr umgekommen sind. Kombiniert mit einem Fantasybuch (), stellte ich einmal mehr fest, dass das Leben auch in höherem Alter noch viel zu viele Möglichkeiten für Heldentaten birgt. Bevor man sich jetzt also noch vor dem 28. Lebensjahr aufarbeitet und den Löffel abgibt, galt es somit zunächst einmal dieses ins Visier zu nehmen. Challenge accepted. Hält man sich bis dahin noch immer die Möglichkeit offen, noch einmal alles völlig umzukrempeln, lies sich dieses leichter erreichen. — Davor gibt es einiges zu erledigen.

Denn genau dieses Machen ist, was sich gut anfühlt. Eine Droge, aber manchmal wird es eben zu viel. Wenn dann wieder der “ich-pack-das-nicht-mehr”-Gedanke kommt, dann kann man sich getrost sagen: “Nur bis 28, solange hältst du jetzt erstmal durch, Digga.


Aber bitte nicht falsch verstehen: Deswegen nicht nur bis 28 husteln, um des Hustelns Willen. Sondern sinnvoll husteln, Leistung maximieren, nicht Arbeitszeit. Leistung breit definieren. Geldscheffeln allein ist wohl kaum erstrebenswerte Leistung. Ziele setzen und Ziele hinterfragen.

Wieder: Warum?

Bei welcher Idee von dir selbst, läuft dir ein wohligen Schauer über den Rücken? An welcher Person sollten sich deine Kinder einmal orientieren? Von welchem Mann soll deine Frau all ihren Freundinnen berichten wollen? Warum willst du dein Vision wahr werden lassen und welche Vision schwebt dir jetzt vor Augen?

Aufschreiben! → Persönliches Commitment!

Dann: Ob?

Mit welchen Problemen wirst du auf dem Weg wahrscheinlich konfrontiert werden? Ist es dir das wert? Welche Widerstände werden auftauchen? Welche Rückschläge könnte es geben?

Aufschreiben! → Bewusstsein für Probleme schaffen, sodass sie verhindert werden können und sobald sie auftauchen als absehbar erkannt werden können.

So wird die Entscheidung gefällt, ob das Ziel gesetzt wird. Aka.: “Alles getan wird, um es zu erreichen”, “Das Gaspedal tagtäglich durchgedrückt wird”, “Der Typ mit dem Messer in der Hand angeheuert wird

und danach: Wie?

Danach! “Ob?” steht bereits fest. Jetzt kommt das Wie.

Dieses Wie kann Zeit in Anspruch nehmen. Dieses Wie kann in Frage gestellt werden. Dieses Wie kann an einem Tag unmöglich scheinen, am nächsten wieder vollkommen auf der Hand liegen. Für das Wie kann man den Typ mit dem Messer in der Hand benötigen und der ist nicht immer nett. Das ist auch einfach nicht seine Aufgabe. Den netten Cop spielt die Vorstellung von dir selbst. Der Typ mit dem Messer in der Hand ist nur ein Mittel zum Zweck, nicht der Zweck. Auch nicht das einzige Mittel zum Zweck. Aber eines und eines, mit dem man von Zeit zu Zeit auch gar nicht schlecht… oder zumindest schneller fährt. Nicht immer und nicht auf Dauer, aber mit der Idee, jetzt erstmal nur bis zum 28. Lebensjahr durchzuhalten, schärft man seine Messer und rennt noch ein wenig schneller.

Also dreht euch um, lacht ihm (möglichst dreckig) ins Gesicht und rennt weiter in Richtung Ziel. 😉


P.S.: Hinterfragen bleibt erlaubt und notwendig. Aber nicht aus einer Emotion oder Stimmung heraus, sondern nur dann, wenn ihr nachhaltig erfahrt, dass das Ziel kein erstrebenswertes war.