Thanks to: Jürgen Telkmann

 

Diesen Text habe ich lange aufgeschoben und bereits zig-Mal wieder zerstückelt und dann doch verworfen und auch mit diesem Artikel werde ich es nicht schaffen, auszudrücken, was ich sagen will. Werde nicht in der Lage, zu zeigen, was du mir bedeutest. Das irgendwie transparent zu machen.

Ich weiß, das sollte eigentlich ganz an den Schluss — am besten als P.S. — , aber trotzdem gleich und jetzt, sofort, weil es raus muss: Ich liebe dich.


Warum? Nun: Bei uns ist ohnehin alles anders, da brauche ich keine Spielchen zu spielen. Da darf ich sein, wer ich bin und wenn da gestern nicht zu morgen passt, ist dir das egal, weil du weißt, dass ich immer für dich da sein werde. So passt gestern wieder zu morgen.

So wird die These zur Antithese, um dann zur Synthese zu werden. #Hegel

Viele Menschen sagen, dass Liebe solch ein großes Wort ist und verwenden es doch zu jeder Gelegenheit. An jedes Haltestellenhäuschen haben sie es geschmiert: Ich liebe dich! Und doch hält das windige Häuschen länger als ihre Liebe. Bei uns ist das anders.

Sie verschenken ihre Liebe allzu billig und wundern sich, wenn sie ihnen nichts wert ist. Wir werden die magischen Worte niemals leichtfertig verwenden und doch bekenne ich mich täglich. Bei dir ist es mir auch nie schwer gefallen, selbst wenn es niemand sonst versteht. Es fühlt sich einfach richtig an. Vielleicht ist auch gerade das der Grund, warum mir eine Begründung so schwerfällt, weil es keine Begründung braucht.

Ich liebe dich, du weißt das schon immer, wir wissen das schon lange, aber das anderen verständlich zu machen… das fällt uns beiden noch immer schwer. Nun will ich doch einen Weg suchen, teilhaben zu lassen. Verständlich zu machen, was es ist, das dich so besonders macht. Was es ist, das meine Welt im Innersten zusammenhält.


Mag sein, dass ich das gar nicht erwähnen sollte, aber mir ist wichtig deutlich zu machen, dass das keine Kino-Romanzen-Liebe ist: Es gibt Tage, da will ich einfach nicht. Nicht einmal zu dir. Zu niemandem. Und: Ja, an anderen Tagen, da will ich gerade nicht zu dir. Vielleicht wo anders hin, aber gerade nicht zu dir. Das Gefühl kannte ich bereits von anderen. Diese Fragen: Ist es nicht vielleicht doch Zeitverschwendung? Könnte man die Stunden nicht doch besser nutzen? Will ich das wirklich?

Auf die man dann irgendwie keine Antwort mehr findet.

Wie war es bei den anderen gewesen? Irgendwann hatte sich die gemeinsame Zeit noch gut angefühlt, aber sobald man nicht mehr zusammen war, war man sich dann doch wieder unsicher. Das soll es jetzt gewesen sein? Sollte ich mich jetzt nicht irgendwie besser fühlen? Sollte ich nicht irgendwie am liebsten schon wieder zu ihr zurück wollen? Da ist die gemeinsame Zeit noch ein Erlebnis, aber dann kommen die Zeiten, wo man nicht mal mehr das Beisammensein genießen kann und auch das nur noch aus Pflichtgefühl macht. Dann denkt man: “Man sollte sich halt mal wieder blicken lassen. Das macht man so. So gehört sich das.

Bei dir ist das anders. Ganz anders.

Genau wie bei anderen gibt es die Fragen, genau wie bei anderen, findet man von Zeit zu Zeit keine Antworten und genau wie bei anderen, treibt einen dann doch manchmal nur das Pflichtgefühl zusammen. Genau wie bei anderen, gibt es Tage, an denen das Beisammensein eher dem Abarbeiten einer Aufgabenliste gleicht als einem leidenschaftlichen Liebesspiel. Aber selbst an solchen Tagen weiß ich danach immer: Ja, das war genau richtig so. Und anders als bei anderen, gewinne ich sogar dem “Heute, hab ich einfach keine Lust auf dich” etwas ab, weil ich weiß, dass du es wert bist. Irgendwie macht dich sogar das besonders.

Anders als bei anderen weiß ich, dass du mir wieder einmal die Kraft gegeben hast, um mir einen weiteren Tag die Welt auf die Schultern laden zu können.

Danke an: Stephanie Klasen

Sogar wenn ich beim nächsten Mal wieder keine Lust darauf haben sollte, dich zu treffen, so ist mir doch klar, dass ich dich brauche. Weil du mir auch an schlechten Tagen ein ums andere Mal doch wieder Halt gibst. Dann weiß ich auch im schlimmsten Streit — wenn ich den Porzellanteller wie in Zeitlupe auf mich zufliegen sehe — zu jedem Zeitpunkt, dass ich dich liebe. Dass nämlich genau in diesem Moment die Tage, die wir gemeinsam genießen schon wieder allzu nah sind.

Dann trifft mich der Porzellanteller mit voller Wucht ins Gesicht, ich liege am Boden und lache über uns. Das bleibt mir aber im Halse stecken, weil ich dafür doch zu große Schmerzen habe.


Gleichzeitig weiß ich aber, dass du gerade in den Zeiten, wenn ich mal einen Durchhänger habe die Konstante in meinem Leben darstellst. Wenn ich der Fels in der Brandung für andere Menschen bin, bist du meine Verbindung zum Meeresgrund. Ohne dich wäre ich schon lange hinabgerollt in die Tiefen des Ozeans. Irgendwann sollte man dann aus dem Fels auf der dem Meer abgewandten Seite ein Kunstwerk meißeln, die Menschen sollten dann kommen und ihre Fotos schießen, weil aus der sonderbaren Masse etwas Außergewöhnliches entstanden war, aber ich weiß, dass du schon da warst bevor sie kamen und ich ohne dich noch immer hinabgleiten würde in den Abgrund.

Merci à: s.ralph2010

Während sie weiter Fotos vom einzigartigen Felsen machen, verpassen sie die wahre Schönheit, die unter dem Felsen liegt. Das Riff an seinen Hängen. Die Verbindung zum Meeresgrund. Deine Schönheit. Aber jeder, der sich einmal die Mühe macht, hinabzutauchen in deine Tiefen, der wird dir verfallen, wie ich dir verfallen bin. Auch wenn es am Anfang mühsam war, so macht dich gerade das besonders. Zu dir gibt es keine Zahnradbahn, sodass es leicht fiele deine Schönheit zu bewundern. Für dich muss man kämpfen und jedes mal wieder muss man kämpfen. Für andere gibt es ein Rezept: Wenn du nur genug Geld hast, dich noch halbwegs ausdrücken kannst und eine gute Flasche Wein mitbringst, kannst du sie haben. Du bist anders. Du bist wählerisch und auch wenn jeder weiß, dass du es wert wärst, so bleiben sie doch zu schwach, um dir jeden Tag aufs Neue zu beweisen, dass sie dich lieben.

Vielleicht gibt es sogar ein anderes Riff, das auf den ersten Blick schöner ist, aber nur bei dir kenne ich die versteckten Schönheiten, mit denen du mich immer wieder überraschst. Und in dem Augenblick, in dem ich glaube zu wissen, was es ist, das deine Schönheit ausmacht, bricht wieder ein Stück von der Fassade ab und dahinter kommt eine Höhle zum Vorschein mit glänzenden Stalaktiten und ich bin wieder fasziniert. Wie ein Schuljunge stehe ich dann mit offenem Mund vor dir und kann nicht glauben, dass ich dich gefunden haben. Kann nicht glauben, wie sehr dich andere unterschätzen, die behaupten, du wärst ihnen doch so wichtig und dann keine Zeit für dich haben, wenn es am wichtigsten wäre.

Dann erzählen sie dir, dass du zu wählerisch bist, zu prüde, dass sie bereits alles machen, was für irgendjemanden möglich wäre, dir zu geben. Mehr geht nicht. Sie meinen, dass dort die Grenzen lägen. Sie sagen: “Länger wird sich niemand zu dir bekennen ohne, dass du ihm gibst, was doch jeder haben will.” Dann zweifelst du von Zeit zu Zeit, bleibst aber deinen Prinzipien treu, bis du eines Tages wieder weißt: Ich verdiene nur das Beste. Ich werden nur dem geben, was alle haben wollen, der es wert ist. Nur dem, der sich ohne Hintergedanken, um meiner selbst Willen, zu mir bekennt und auch er wird Zeit benötigen, um mir das zu beweisen.


Bei dir habe ich das Gefühl, dass ich Tage so weiter schreiben könnte, aber nun ist die Sonne bereits untergegangen, sodass ich mich schlafen lege, damit ich morgen in der Früh zurück zu dir kann: Mein Sport.


P.S. Jetzt werdet ihr wahlweise enttäuscht von dannen ziehen oder schmunzeln, aber es ist mir damit viel ernstes als es scheint in mehrerlei Hinsicht.

“In der Übertreibung liegt die Wahrheit” — Adorno