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Der Anfang wird mit dieser Annahme zu menschlichem Verhalten kurz kompliziert und trocken:

Jeder Mensch wählt aus den ihm* bekannten Optionen die — gemäß seinen Präferenzen — am attraktivsten scheinende Wahl für sein Handeln aus.

*”der” Mensch, daher schreibe ich “ihm” und damit sind hier (und auch im Folgenden) ebenso Menschinnen gemeint.

Diese Annahme stammt frei aus einem wissenschaftlichen Paper/ einer personalwirtschaftlichen Theorie, da mich das Thema “Annahmen über menschliches Verhalten” gerade auch im Zuge meiner Bachelorarbeit beschäftigt.

Man lehnt sich daher nicht allzu weit aus dem Fenster, wenn man behauptet, dass sich eine Großzahl an Menschen eine Größerzahl an Gedanken gemacht hat. Wenn wir ihr Glauben schenken, was können wir dann daraus für unser Leben ziehen? Darum geht es in diesem Artikel.

Lehre

Zunächst einmal, zurück zur Annahme:

Es heißt “aus den ihm bekannten Optionen”. Das lenkt die Aufmerksamkeit auf diese Botschaft:

Macht die Augen auf für Optionen, die sich neu ergeben oder schon lange da sind, von denen ihr aber bislang keine Notiz nehmt. Es kann euch leicht passieren, dass dann die neue beste Option die vormalige verdammt alt aussehen lässt.

Vorstellen kann man sich das wie eine Losung: Du wirst mit verschlossenen Augen in einen Raum geführt und es wurden 100 kleine Zettel mit einem Text darauf in eine Lotterietrommel geworfen. In den 100 Losen sind fünf Hauptgewinne versteckt. Wenn du dir deine Gelegenheiten schon gar nicht alle bewusst machst, dann limitierst du dich von vornherein auf fünf Zettel in deiner Lebenstrommel.

Bei dem Spiel gibt es deswegen zwei Hacks:
1) Mehr Zettel in die Trommel stecken.
2) Augen auf und versuchen auszumachen, wo denn mit fetten Lettern “HAUPTGEWINN” draufstehen könnte.

Wie stecke ich mehr Zettel in die Trommel?

Irgendjemand bereitet diese Trommel vor und legt fest, wie viele Optionen dir offen stehen. Die gute Nachricht: Das bist du!

Wie funktioniert das? Dazu gilt es offen zu sein für neue Erfahrungen, aber nicht nur das, auch explizit danach suchen. Mal was Neues probieren. Glück haben. Wie?

Mal den Autopilot ausmachen und neue Wege probieren. Egal, ob es im wörtlichen Sinne auf dem Weg nach Hause ist, einen anderen Rewe zum Einkaufen zu wählen oder sich sogar absichtlich zu verlaufen… Durch das Ausbrechen aus diesen Mustern können wir neuen Gelegenheiten begegnen. Sollte man sich wirklich verlaufen, ist das Handy ja ohnehin dabei.

Vermutlich hältst du es gerade in der Hand oder hast es zumindest griffbereit. Was hält dich also davon ab, heute einfach mal eine unbekannte Route nach Hause zu nehmen? Mach dir einen Reminder, damit du es nicht vergisst.

 

Ab Minute 17:50 — Aber das ganze Interview ist top 🙂

Ergo: Wenn du offen für neue Erfahrungen bist, wirst du mehr Optionen haben.


Die zweite Methode, um mehr Lose in die Trommel zu stecken?

Schaut euch die Lebensgeschichten eurer Meinung nach erfolgreicher Menschen an und fragt. Fragt, nicht einmal unbedingt interessante Fragen, sondern Fragen, die euch interessieren! (aus einer Episode der Tim-Ferriss-Show)

Jetzt kommen wieder Einwände und manch einer wird behaupten, dass er keine erfolgreichen Menschen kennt. Das ist erstens traurig und zweitens leicht behebbar. Gibt es einen sympathischen Menschen in deinem Umkreis? In mancher Hinsicht sicherlich erfolgreich! Gibt es jemanden, den du zwar nicht persönlich kennst, aber vielleicht über einen Freund oder Verwandte? → Schreib ihm. Sitzt du in der Ubahn neben jemanden, der dir erfolgreich scheint? Bemüh dich!

Frag ihn nach den verschiedenen Schritten, die ihn zu der Person gemacht haben, die er heute ist. Wenn er darauf erwidert, was du mit “der Person” meinst, dann sag ihm, was es ist, das dich auf ihn aufmerksam gemacht hat. Antworte, was du mit “der Person” meinst. …

Was ist passiert?

  • Interessantes Gespräch eingeleitet
  • Etwas über dich selbst gelernt  (Was für dich Erfolg ausmacht)

Ergo: Sich damit zu beschäftigen, welche Optionen eurer Ansicht nach erfolgreiche Menschen wählten, wird euch eure Möglichkeiten aufzeigen.

(Trotzdem weiter differenziert bleiben. Einerseits kritisch hinterfragen: Warum will ich das? Wie viel davon ist nur Schein? Andererseits: Offen sein für neue Erfahrungen.)

Wie öffne ich die Augen?

Nur, weil du ahnungslos in eine riesige Welt (a.k.a. Raum mit Lotterietrommel) geworfen wurdest, heißt das noch lange nicht, dass das auch so zu bleiben hat. Viele Menschen denken scheinbar: “Wenn ich mit verschlossenen Augen in einen Raum geführt werde, muss ich mich geradezu darum bemühen, möglichst nichts zu sehen und nur versuchen nicht zu stolpern.

Nein! Augen auf! Ausschau halten, was auf den Losen geschrieben steht!

Zunächst wird vermutlich nur ein wenig geblinzelt. Dann habt ihr eine Perspektive, durch die ihr die Welt seht. Zunächst einmal vermutlich die eurer Eltern. Zu Erkennen, dass das eine erste Sichtweise ist, stellt das Blinzeln dar. Ihr erkennt erst einmal nur ein Schimmern, dass vor euch womöglich eine Trommel mit Losen stehen könnte.

Dann tastet man sich langsam vor, beginnt vielleicht damit darüber nachzudenken, wie Freunde die Welt erleben. Bei Schulfreunden wird sich das vermutlich zunächst einmal ziemlich ähnlich gestalten. Die haben einen ähnlichen Hintergrund, aber nicht den gleichen. Daher eine ähnliche Sichtweise, aber nicht die gleiche. Gut zum Blinzeln üben.

Bald trifft man fremde Menschen. Dann gilt es nicht in Xenophobie zu verfallen,

Letztens gelernt, deswegen musste es direkt in einen neuen Artikel eingebaut werden: Xenophobie = Angst vor Fremden

sondern wieder zu verstehen, warum die Welt, so wie diese Person sie sieht, für ihn auch Sinn ergibt.

Immer neue Perspektiven. Deswegen sind deine ersten Perspektiven (die deiner Freunde und Eltern) aber nicht schlechter oder weniger wert, aber auch nicht besser oder mehr wert, sie sind einfach anders.

Wenn man bewusst darauf achtet, empathisch zu handeln, sich zu fragen, was die Menschen zu diesen Überzeugungen geführt hat, öffnet man langsam die Augen für das Lotteriespiel vor dir.

Die Königsdisziplin ist dann selbst zu reflektieren und sich zu fragen: “Was mache ich jetzt aus all den unterschiedlichen Ansichten? Wie sehe ich all das?” und dabei trotzdem weiterhin flexibel und verständnisvoll bleiben. Weiter neue und alte Perspektiven zulassen. Dann wird die Schrift auf den Losen klarer. Vielleicht kann man dann sogar das Kleingedruckte unter dem “HAUPTGEWINN” lesen.


Danke, dass du dir die Mühe gemacht hast, das Kleingedruckte zu lesen, obwohl man manchmal zweimal hinschauen muss, wenn die Schrift einer Person mal wieder schwerer zu entziffern ist. Es lohnt sich.


Wenn deine Augen jetzt also weit geöffnet sind, dann halte sie offen, lass’ sie dir nicht schließen. Blinzeln wirst du zwangsläufig immer, das macht jeder. Jeder hat seine Blindspots und trotzdem: Augen auf.

Fazit:

  • In jeder Wissenschaft lassen sich Lebenslehren finden.
  • Macht den Autopiloten von Zeit zu Zeit aus und probiert neue Wege aus. Heute mal nicht die gleiche Route wie jeden Tag nehmen, auch wenn es fünf Minuten länger dauert!
  • Unterhaltet euch mit Menschen über ihre Lebensgeschichten und lernt daraus, was sie erfolgreich gemacht hat und was für euch Erfolg bedeutet.
  • Frag dich heute bei einem Menschen, den du auf Anhieb nicht verstehst: Wie sieht er die Welt?