Berggeh-Flow — Insta-Marco

Insbesondere tief vor einer Respektperson sitzend, schaltet mein Kopf manchmal nach einer Frage einfach aus. Denkvermögen = Null. Als ob er sich für manche Überstrapazierung der letzten Tage rächen wollte und sagte: “Ha! Jetzt mach du mal alleine, Mundwerk!” Besagtes Mundwerk gibt in diesen Situationen weiser Weise gerne von sich: “Da muss ich kurz drüber nachdenken.” Was — aufgrund der momentanen Lufthansa-Piloten-Arbeitsmoral des Kopfes — jedoch zu nichts führt. Es folgt dann solange ein Gestammel, bis sich der Kopf auf einmal wieder meldet und sagt: “Uhh. Da könnte was dran sein.” und langsam beginnt die Denkmaschine den Arbeitsprozess wieder aufzunehmen.

Letztens kam ich so in Ermangelung eines passenden Begriffes auf die innere Ressource “Outputdistanziertheit”. Diese sollte einen bestimmten Aspekt des Zustandes während des Vorantreibens selbstbildniskongruenter* Projekte beschreiben.

*… selbstbildniskongruent — Die Eigenart der deutschen Sprache solche Wörter zu ermöglichen ist faszinierend. — Was ich mit selbstbildniskongruent meine ist, was Paulo Coelho mit dem Gefühl des Verfolgens des persönlichen Lebensweg beschreiben würde: Einer Tätigkeit nachzugehen, bei der du spürst, darin aufzugehen.

Zurück zur Outputdistanziertheit

Ich hatte in dem Gespräch versucht, eine innere Ressource zu beschreiben, die mir schon einmal zur Verfügung stand, von der aber zu selten Gebrauch gemacht wird. Das bedeutet: wie ich in bestimmten Situationen mutig gehandelt, so nahm ich mich in diesen Situationen als Output-distanziert handelnd wahr.

Dabei gibt es viele Schnittmengen zwischen Output-distanziertem und autonomen Handeln. Bedingung für autonomes Handeln ist die wahrgenommene freiwillige Wahl der Tätigkeit. Man handelt, weil man sich selbst dazu entschieden hat, nicht aufgrund von äußerlichen Einflüssen. Das ist notwendigerweise auch bei Output-distanziertem Handeln der Fall. Per definitionem gibt es einen inneren Antrieb zur Handlung. Im Gegensatz zur Autonomie, liegt der Fokus auf der nicht-relevante Erwartungshaltung des Handelns.

Die Förderung Output-distanzierten Handelns wird vor allem für uns, die wir aus Computerspielen gewohnt sind, unmittelbare Honorierung unserer Taten zu erfahren, besonders wichtig. Wir müssen uns darin schulen, ohne Feedbackmechanismus zu handeln. Das zu erwartende Ergebnis gerät ins Hintertreffen.

Warum outputdistanziert handeln?

Prinzipiell habe ich mich in den letzten Jahren dazu erzogen, möglichst selten outputdistanziert zu handeln. Bodo Schäfer nannte das, in seinem “Weg zur finanziellen Freiheit”, möglichst viel Zeit mit “einkommensgenerierenden Tätigkeiten” zuzubringen. Danach hatte ich mich gerichtet. Der Grund für nicht-Output-distanziertes Handeln liegt also auf der Hand: Output (beispielsweise in Form von Einkommen). Mit der Erkenntnis, Output-distanziertes Handeln ist dienlich für meine weitere Entwicklung, zeigte mir das Leben mal wieder, wie wenig es von schnurstracks hält.

Exkurs: Nach derzeitigem Ermittlungsstand scheint es eher einen anpassungsfähigen aber reflektierten Stil zu schätzen. Ich halte euch auf dem Laufenden.

Der erste Grund für outputdistanziertes Handeln ist, dass es einen produktiver macht. Da Outputdistanziertheit mit “Flow” einhergeht, was ich zuvor umständlich als “Zustand während des Vorantreibens selbstbildniskongruenter Projekte” beschrieben habe. Auch wenn die Produktivität dann möglicherweise nicht zu einem unmittelbaren Ergebnis führt, dafür aber langfristig noch mehr und schmackhaftere Früchte trägt.

Der zweite Grund ist Spaß. Outputdistanziertes Handeln ist dann per definitionem erfreulich. Fällt der externe Grund, Output, weg und man handelt noch immer, so bleibt nur noch intrinsische Motivation als treibende Kraft übrig.

Der dritte Grund ist Notwendigkeit für das Schaffen von Neuem. Niemand wird dich unmittelbar für etwas bezahlen, das es noch nicht gibt. Etwas, von dem man vielleicht noch nicht einmal weiß, dass es die Welt braucht. Es ist neu. Solange es noch nicht da ist, wird man dir nichts geben. Es ist neu. Niemand wird dir garantieren, dass er dir etwas gibt, wenn er noch nicht weiß, was es wird. Es ist neu. Wenn man wüsste, was es wird, bräuchte man dich nicht, um es zu machen.
Schlussfolgerung: Willst du etwas kreieren, was es noch nicht gibt? Etwas hervorbringen, das die Welt bereichert? Entwerfen, wozu nur du in der Lage bist? Dann wirst du an Output-distanziertem Handeln nicht vorbeikommen.