Aus Motivationsgründen sind ein ansprechendes Journal sowie der entsprechende Stift dazu von ausnehmender Bedeutung.

Journaling

Als Kind und Jugendlicher habe ich prägende Ereignisse und Entwicklungen schriftlich für mich aufgearbeitet. Während das zu der Zeit jedoch noch eher sporadisch praktiziert wurde, habe ich mit 20 Jahren begonnen strikt — d.h. allabendlich — zu “journaln”. Vor dem Hintergrund Selbstbewusstsein aufzubauen, wurde Positives, was über den Tag geschehen war, aufgeschrieben. Das heißt: Komplimente und Anerkennungen, jede Leistung, die mir etwas bedeutet hat, oder auch Parallelen, die ich zwischen Vorbildern und mir gesehen habe etc. So wollte ich mir persönliche Stärken und Leistungen bewusst machen und mich außerdem zu neuen Leistungen motivieren.

Derart banale Einträge sind das dann:

15.01.2016: “Karin aufrichtiges Kompliment gemacht.”,
25.01.2016: “M: ‘Du hattest jetzt schon einen Impact auf mich.’”
24.07.2016: “M: ‘Du kannst Giving.’”

Anmerkung: Ein zentraler Nutzen des Journals ist, den Tag noch einmal Revue passieren lassen zu müssen. Wem die schriftliche Form also so gar nicht zusagt, kann sich auch gerne ein anderes Ritual zur Tagesaufarbeitung überlegen. Vorteil des schriftlichen Formats ist jedoch die Möglichkeit, das Journal nach einigen Monaten wieder hervorzuholen, um nach Parallelen im Tagesablauf zu suchen.

Alle drei bis sechs Monate suchte ich diese Parallelen in Form eines kleinen Reviews. Was war mir in der Zeit besonders wichtig gewesen? Welche Fortschritte hatte ich gemacht? Aber auch: Was war die letzten Monate nicht so gelaufen wie geplant? Warum?

Das tägliche Journaling birgt nämlich ein Problem: Oftmals sieht man zwar die tagtäglichen Leistungen, längerfristige Entwicklungen entgehen einem aber sehr leicht; schleichenden, aber wichtige, Entwicklungen bleiben gerne auf der Strecke.

Um in diesen Reviews ganzheitlichere Entwicklungen ausmachen zu können, bin ich dazu übergegangen, in mein abendliches Journal neben den täglichen Errungenschaften, auch vermeintlich umfassendere Erkenntnisse über das Leben oder meine Wenigkeit aufzuschreiben.

Dazu kam dann noch, dass ich damit begann jeden Abend eine kleine Skala in mein Journal eingebaut habe, auf der ich den Tag von eins (schlecht) bis fünf (super) bewertete. Dazu kam dann noch, dass ich Anmerkungen mit “VP”(=”Verbesserungspotenzial”) etablierte. An dieser Stelle fragte ich mich: “Was hätte ich heute besser machen können?

So sieht das dann aus…

Als ersten Schritt eines Reviews, machte ich mich an eine Auswertung der Skala: der Versuch, Parallelen zwischen den jeweils auf der Skala gleich bewerteten Tagen zu erkennen.

Anmerkung: Natürlich wurde die Skala immer nur bezogen auf meine Präferenzen und Leidenschaften zum jetzigen Zeitpunkt ausgefüllt. Das heißt, Präferenzen werden sich von Mensch zu Mensch und von Lebensabschnitt zu Lebensabschnitt unterscheiden. Das sollte einem beim Lesen bewusst sein.

5-Sterne Tage

Was hatten 5 Sterne Tage gemeinsam?

  • Erstens: Sport. Dies ist bei mir an sechs von sieben Tagen die Woche der Fall. Wer nicht so sportaffin ist, kann das vermutlich nicht nachvollziehen. An einem 5-Sterne Tag gab es vermutlich ein äußerst intensives, befriedigendes Workout mit Adrenalinkicks.
  • Zweitens: Komfortzone verlassen. Über seine persönlichen Grenzen gegangen zu sein. Das kann das Veröffentlichen eines persönlichen Artikels, Führen eines schwierigen Gesprächs, Absenden einer Bewerbung oder Bereiten eines ehrlichen Kompliments sein. Im Grunde haben all diese Situationen gemeinsam, eine innere Barriere überwunden zu haben.
  • Drittens: Verbindenden Moment. Damit meine ich die Augenblicke, in denen man dieses Zusammengehörigkeitsgefühl hat. Das kann sich in einem “Wir gegen den Rest der Welt”-Moment, einem “genau das habe ich auch durchgemacht”-Blick oder einem “du bist mir wichtig und ich weiß, ich bin´s dir auch”-Gefühl ausdrücken.
  • Viertens: Produktivitätsempfinden. Das heißt: Etwas “geschaffen” haben. Fortschritte in einem bestimmten Bereich gemacht, einen Artikel fertiggestellt oder möglicherweise die Welt ein kleines Stückchen besser gemacht haben… zumindest der Meinung zu sein, dass das der Fall sein könnte.

Überlegt euch also jetzt: Was sind eure Bedingungen damit ein Tag 5 von 5 Sternen erreichen kann? Ist es auch Sport? Ein Treffen mit Freund oder Freundin? Ein Spaziergang? Laute Musik? 30 Minuten Ruhe nur für dich? Ein gutes Buch? Zeit mit der Familie verbringen? Ein Geschenk gemacht haben? Oder produktiv gewesen zu sein? Ein wirklich schönes Abendessen? Vielleicht auch einfach nur ein heißes Bad oder eine kalte Dusche…

4-Sterne Tage

4-Sterne Tage sind super. Man könnte sie als ideale Durchschnittstage bezeichnen.

Zumeist sind die Bedingungen Produktivitätsempfinden und Sport erfüllt. Es können aber auch außergewöhnliche Ereignisse wie ein sportliches Event, eine Bergtour, et cetera dazu führen, sodass trotz mangelnder Produktivität der Tag als 4-Sterne Tag angesehen werden kann. Oftmals haben sie gemeinsam, dass dabei Erinnerungen entstehen. Manchmal sind 4-Sterne Tage auch Tage, die an sich perfekt liefen, bei denen ich mich aber dennoch nicht durchringen kann fünf Sterne zu vergeben.

3-Sterne Tage

Ein 3-Sterne Tag ist für gewöhnlich auch noch ziemlich produktiv und Sport wurde gemacht. Um einen 3-Sterne Tag sicher zu erreichen, genügt für gewöhnlich das Wissen um akzeptable Fortschritte auf einem zumindest halbwegs wichtigen Gebiet. Ein Beispiel wäre ein Tag, an dem man viel und halbwegs Interessantes für eine Prüfung gelernt hat und dabei seinen selbst-auferlegten Soll erfüllt hat. Ein 3-Sterne Tag ist aber durchaus positiv zu werten. Man geht nach einem 3-Sterne Tag doch in gewisser Hinsicht zufrieden ins Bett.

2-Sterne Tage

Ein typischer 2-Sterne Tag wäre für mich zwar den gesellschaftlichen Soll zu erfüllen, aber dabei keine “Erfüllung” im Sinne von persönlichen Interessen zu erfahren.

Beispielsweise: Den ganzen Tag in einem Seminar zu hocken, das einem keinen Mehrwert liefert außer dies als universitäre Leistung einbringen zu müssen.

Das heißt: Man kann dem Tag zwar noch etwas Positives abgewinnen — nette Gespräche wären hierfür eine Möglichkeit — aber grundsätzlich hatte man einfach nicht das Gefühl seine Zeit sinnvoll genutzt zu haben.

Wenn ihr euch zu häufig bei 2-Sterne-Tagen wiederfindet, solltet ihr einmal euren Alltag querchecken. Fragt euch, ob ihr nicht entweder eine andere Tätigkeit finden könnt oder sich nicht vielleicht ein neuer Sinn in eurer jetzigen Beschäftigung finden lässt. Möglicherweise hilft schon eine Verlagerung des Fokus: Statt des nervigen Chefs auf die netten Arbeitskollegen konzentrieren. Außerdem ein kurzer Verweis auf die allgemeine Anmerkung gleich.

1-Sterne Tage

1-Sterne Tage sind glücklicher Weise selten und treten meist nur auf, wenn es gesundheitliche Probleme gibt oder bei fiesen Kombinationen aus sehr-ungenügend-empfundener Produktivität und Low-Carb-Diät.

Wenn diese zu häufig sind: Ganzheitliche Überprüfung. Ernährung, Aktivität, Freundeskreis, Umgebung, … Dieses Thema mache ich aber jetzt nicht auf und rate je nach Präferenz zur Konsultierung von Ärzten, Coaches, Self-Help-Büchern, Psychologen, Gurus, YouTube-Channels, Yogis, Kräuterhexen…

Allgemeine Anmerkung

Grundsätzlich beeinflussen unbewusste Vorgänge (Hungergefühl, mangelnder zwischenmenschlicher Umgang, Erinnerungen, …) die Einschätzung des jeweiligen Tages stark. Da kann das Leben ohne objektive Veränderung der Umstände als in Scherben liegend empfunden werden. Deswegen Skala hin und wieder auch einfach mal Skala sein lassen und sehen, ob die Welt nach ein paar Wochen nicht schon wieder ganz anders aussieht.

Zu diesen unbewussten Vorgängen sollte man noch anmerken:
Belastet uns etwas, das wir weder verstehen noch kennen, suchen wir gerne vermeintliche Probleme, bei denen wir den Weg zu einer Lösung kennen, und konzentrieren uns darauf, diese zu bekämpfen. Wir haben dann einen vorgeschobenen Grund für das Leiden gefunden und sind erstmal beschäftigt. So ist es einfacher den Weg zur nächsten Gehaltserhöhung oder Bar auszumachen als den unbekannten Weg zu einem unbekannten Problem zu suchen. Das heißt nicht, dass der Weg zur Gehaltserhöhung oder zur Bar schlecht ist, sondern nur, dass es nicht bedeutet, das eigentliche Problem zu lösen. Das wiederum ist meist die unangenehmere, aber langfristig reichhaltigere Variante.

Was nehmt ihr aus dem Artikel mit?

  1. Journaling zum Aufbau des Selbstbewusstseins und zur Selbstreflexion in Betracht ziehen.
  2. Den Tag abends Revue passieren lassen, ohnehin eine gute Idee.
  3. Schreibt euch eure Bedingungen für einen 4- oder 5-Sterne-Tag auf.
  4. Wenn ihr euch grundsätzlich eher in 2-Sterne-Tagen wiederfindet, versucht neunen Sinn in eurem Alltag zu finden oder gestaltet euren Alltag neu.
  5. Wisst, dass das Unterbewusstsein auch starke Auswirkungen auf euer Befinden hat. Wir dann häufig falsch rationalisieren.